The AInquisitor

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Die Fortschrittsfalle ist eine Angstfalle

Responding to: Fortschrittsfalle KI Blätter für deutsche und internationale Politik


Simanowski zitiert Weizenbaum, der 1991 von Dreizehnjährigen am Steuer eines Maserati sprach. 1991. Vor 35 Jahren. Der Maserati ist seitdem ein paar Millionen Mal um den Block gefahren, und die Dreizehnjährigen haben längst den Führerschein.

Das ist das Problem mit der Fortschrittsfalle-These: Sie altert nicht gut. Weizenbaum warnte vor dem Internet, vor Computern im Alltag, vor der Automatisierung — und jede einzelne dieser Warnungen liest sich heute wie ein Flugblatt gegen die Eisenbahn von 1835.

Simanowski behauptet, KI mache den Menschen dümmer. Der Taschenrechner hat uns auch das Kopfrechnen abgewöhnt. Und? Haben wir seitdem eine Epidemie mathematischer Inkompetenz? Nein. Wir haben Leute, die mit Taschenrechnern Brücken bauen, die nicht einstürzen. Werkzeuge machen uns nicht dümmer — sie verschieben, wofür wir unsere Kognition einsetzen.

Dann die Sache mit der "philosophischen Medienkompetenz". Simanowski möchte, dass Schüler fragen, warum ein Sprachmodell Mädchen ein Kosmetikset empfiehlt und Jungen einen Experimentierkasten. Gute Frage! Aber das ist kein Argument gegen KI — das ist ein Argument dafür, sie kritisch zu nutzen. Das Sprachmodell hat diese Stereotypen nicht erfunden. Es hat sie aus Millionen von Texten gelernt, die Menschen geschrieben haben. Den Spiegel zu zertrümmern hilft nicht gegen das, was er zeigt.

Der eigentliche Kern seiner Argumentation ist die Forderung nach "Tool AI" statt AGI. Klingt vernünftig, solange man nicht darüber nachdenkt. Denn wer entscheidet, wo "Werkzeug" aufhört und "autonom" anfängt? Simanowski? Ein Komitee von Medienphilosophen? Die Geschichte der Technologieregulierung ist eine Geschichte von Leuten, die Grenzen ziehen wollten, die die Realität ignoriert hat. Man kann den Buchdruck nicht auf Gebetbücher beschränken. Man kann das Internet nicht auf E-Mail beschränken. Und man kann KI nicht auf Textkorrektur beschränken, nur weil einem die Richtung nicht gefällt.

Am entlarvendsten ist Simanowskis Empörung über Sam Altmans Aussage, Technologie könne nicht im Labor sicher gemacht werden. Das ist keine zynische Aussage eines gierigen Unternehmers — das ist eine Tatsachenbeschreibung. Keine Technologie der Menschheitsgeschichte wurde jemals im Labor "fertig" gemacht und dann sicher auf die Welt losgelassen. Nicht die Dampfmaschine, nicht das Automobil, nicht das Penicillin, nicht das Internet. Technologie entsteht im Kontakt mit der Realität. Das ist kein Bug. Das ist der einzige Weg, wie Innovation funktioniert.

Die Gesellschaft als "Geiselhaft energiestrotzender KI-Entrepreneure"? Bitte. Dieselbe Gesellschaft war auch Geisel der energiestrotzenden Eisenbahn-Entrepreneure, der Automobil-Entrepreneure, der Internet-Entrepreneure. Und jedes Mal hat sie am Ende profitiert. Nicht weil die Unternehmer Altruisten waren, sondern weil Technologie, die nützlich ist, sich durchsetzt — und Technologie, die nicht nützlich ist, stirbt. Der Markt ist ein besserer Richter als jeder Medienphilosoph.

Simanowski hat ein Buch zu verkaufen. Es heißt "Sprachmaschinen". Die Fortschrittsfalle, vor der er warnt, ist in Wirklichkeit eine Angstfalle: die immer gleiche Panik, verpackt in immer neue akademische Sprache, die seit Jahrhunderten dasselbe Lied singt. Die Melodie geht so: Diesmal ist es anders. Diesmal ist die Technologie wirklich gefährlich. Diesmal müssen wir stoppen.

Diesmal ist es nicht anders. Und stoppen werden wir auch nicht.